Weil meine Seele in Bildern zu mir spricht…
Am Anfang war da nur Beton.
Eine Mauer rund um mich herum.
Kein Fenster. Keine Tür. Kein Weg hinaus.
Nur ich — klein geworden in einem Raum, den meine Seele gebaut hat, weil sie sich schützen musste.
Diese Mauer war nicht mein Gefängnis.
Nicht am Anfang.
Sie war mein Schutz.
Sie war das Einzige, was zwischen mir und all dem stand, was zu viel war.
Und doch blieb über mir der Himmel offen.
Vielleicht war genau das der erste leise Hinweis:
Ich bin nicht verloren.
Ich bin nicht ganz verschlossen.
Etwas in mir schaut noch nach oben.
Etwas in mir glaubt noch an Licht.
Und trotzdem war da auch diese andere Wahrheit:
Ohne Dach war ich dem Wetter ausgesetzt.
Dem Regen. Dem Sturm. Der Kälte.
Geschützt von Mauern —
und doch schutzlos unter offenem Himmel.
Dann stehe ich auf.
Nicht stark, nicht fertig, nicht geheilt.
Aber ich stehe.
Ich nehme eine Spraydose in die Hand und beginne, dort etwas sichtbar zu machen, wo vorher nur Beton war.
Zuerst spraye ich ein Fenster.
Noch ist es nur eine Linie. Eine Ahnung. Ein Wunsch.
Dann wird daraus ein Blick.
Natur. Leben. Farbe. Draußen.
Nicht, weil alles plötzlich gut ist.
Sondern weil meine Seele beginnt, sich zu erinnern, dass es mehr gibt als Schmerz.
Ich spraye weiter.
Eine Tür entsteht.
Nicht, damit jeder hereinkommen kann.
Nicht, damit ich mich wieder verliere.
Sondern damit ich selbst entscheiden darf:
Wann öffne ich...
Für wen...
Wie weit...
Dana ist da.
Still. Treu. Nah.
Nicht als Lösung, sondern als Seele an meiner Seite.
Als Liebe, die nichts fordert.
Als Wärme in einem Raum, der einmal kalt war.
Und dann öffnet sich die Tür einen Spalt.
Ganz langsam.
Draußen wartet Leben.
Natur. Licht. Zukunft.
Manuel. Als Freund? Als Ehemann? Oder beides?
Diesmal gehe ich nicht blind hinaus.
Diesmal verschliesse ich mich nicht aus Angst, jemanden zu verlieren.
Diesmal bleibe ich bei mir.
Wenn Manuel Teil meines Weges ist, dann nicht als Rettung.
Nicht als Antwort auf meine Wunden.
Sondern als Mensch, der lernt, vor meiner Tür Ruhig. Wahrhaftig. Geduldig. zu stehen und zu warten.
Denn diese Tür gehört mir.
Der Schlüssel gehört mir.
Mein Raum gehört mir.
Und Bild für Bild wird aus Beton nicht Vergessen.
Sondern Verwandlung.
Die Mauern verschwinden nicht einfach.
Sie werden heller.
Sie bekommen Farbe.
Fenster. Eine Tür. Wärme. Pflanzen. Kerzen. Liebe.
Aus Schutz wird Zuhause.
Aus Enge wird Raum.
Aus Überleben wird vielleicht langsam wieder Leben.
Ich gehe nicht zurück zu der, die ich einmal war.
Ich gehe zurück zu mir —
zu der, die trotz allem noch da ist.
Zu der, die fühlt.
Zu der, die liebt.
Zu der, die leuchtet.
Bild für Bild zurück zu mir.
Weil meine Seele in Bildern zu mir spricht.
Weil sie mir zeigt, was Worte manchmal noch nicht sagen können.
Weil Heilung nicht laut beginnt, sondern leise.
Mit einem Blick zum Himmel.
Mit einer Linie an der Wand.
Mit einer Tür, die sich langsam öffnet...
Fortsetzung folgt…
